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Ökumenische Montags-Treffs für Kurgäste und Einheimische
"Gern und dankbar denke ich an Sie, unsere Gespräche und Gemeinsamkeiten bei all den Gelegenheiten." Das schrieb ein Kurpatient ein Jahr nach seinem Aufenthalt in Bad Camberg. Ein Beweis dafür, daß die "Ökumenischen Montags-Treffs" nachwirken. Schönstes Zeichen der Dankbarkeit sind die Kurgäste, die immer wieder kommen - manche mehrmals pro Jahr, andere nach mehreren Jahren. Immerhin "laufen" diese Ökumenischen Montags-Treffs schon seit April 1985.
Damals lud der damalige Freizeitgestalter der Hohenfeld-Klinik, einer Kurklinik für psychosomatische und innere Medizin, die Bad Camberger Gruppe der action 365 zu einem Team-Abend mit Patientinnen und Patienten in die Klinik ein. Er hatte von uns etwas in der Zeitung gelesen.
Es kam zu einem sehr offenen und anregenden Treffen. 30 bis 40 Kurgäste waren erschienen. Schon das persönliche Vorstellen ergab viele Anknüpfungspunkte für das Gespräch. Unter anderem wurden Fragen der Ökumene, der konfessionsverbindenden Ehen, der Süchte, des Leids, des Einsatzes für andere und des Lebenssinns angesprochen. Fragen, die uns seit dieser Zeit auch immer wieder bei den Montags-Treffs bewegen - neben einer Fülle anderer Themen.
Heilend im umfassenden Sinn
Aber zurück zu dem Team-Abend in der Klinik: Die action 365 Bad Camberg beschäftige sich mit "Kur und Kirche", weil sie sich für andere einsetzen wolle, erklärte ich einleitend. Sie sei mit dem Deutschen Bäderverband, der Evangelischen Kirche in Deutschland und mit der Deutschen Bischofskonferenz überzeugt, daß der Glaube an Jesus Christus frei, sinnerfüllt und hoffnungsvoll mache. Die Gemeinschaft, die dieser Glaube ermögliche, könne eine Atmosphäre schaffen, die heilend im umfassenden Sinn wirke. Deswegen sei die Kurseelsorge ein Geschwisterdienst an den Menschen, die Heil suchen.
Dieser Dienst könne dazu beitragen, daß sich Menschen mehr für Gott und füreinander öffnen und so mehr über Gottes Liebe, über sich selbst und andere erfahren. Dadurch könnten sie Orientierung gewinnen, bisher Versäumtes und Verfehltes erkennen, Entlastung finden, Mut zur Umkehr fassen und dann auch Belastungen annehmen und hoffnungsvoll tragen lernen. Damit sei dieser Dienst Hilfe im Heilungsprozeß der Kurpatientinnen und -patienten. Und umgekehrt würden die einheimischen Christinnen und Christen durch Gespräche mit Kurpatienten reicher an Erfahrungen und Erkenntnissen - was sich mittlerweile über 650mal bestätigte.
Mehrere Gesprächsbeteiligte betonten, daß eine enge ökumenische Zusammenarbeit Voraussetzung sei für einen glaubwürdigen Dienst. Als Sofortmaßnahme wurde ein wöchentliches Treffen vorgeschlagen, bei dem christliche Kurgästen sich untereinander kennenlernen und auch etwas über das kirchliche Leben in Bad Camberg erfahren. Dieser Vorschlag wurde von der action 365 Bad Camberg sofort in die Tat umgesetzt, weil wir die geistlich-seelische Not gerade von Kurgästen erkannten.
"Gemeinde auf Zeit"
Schon bald kam der Wunsch auf, bei diesen Treffen nicht nur "übers Wetter" oder allgemein "über Gott und die Welt" zu reden, sondern jeweils eine Referentin oder einen Referenten zu einem bestimmten Thema zu hören und darüber mit ihr bzw. ihm und miteinander zu sprechen. Auch diesen Wunsch setzten wir sofort in die Tat um. Und seitdem finden die Ökumenischen Montags-Treffs unter dem Motto "Christen im Gespräch" statt - "mit wechselnden Referenten/innen, wechselnden Themen und wechselndem Erfolg".
Jeden Montag (mit Ausnahme der "drei hohen Feiertage Ostermontag, Pfingstmontag und Rosenmontag" und der Zeit "zwischen den Jahren") gehen mindestens zwei Mitarbeiter/innen unseres Teams ins Hotel "Haus Pohl" (in der Nähe der Kliniken und der Kurheime), wo jeweils von 19.30 Uhr bis etwa 21.30 Uhr diese Veranstaltungen stattfinden. Der wöchentliche Rhythmus ist wichtig, damit neue Kurgäste und - seit kurzem - auch Reha-Patienten/innen möglichst schnell Anschluß, ein Stück geistige "Heimat", eine "Gemeinde auf Zeit" finden. Gegenüber einer Klinik oder einem kirchlichen Raum hat das Hotel als Veranstaltungsort den Vorteil, daß Einheimische sowie Kur- und Reha-Patienten/innen aus verschiedenen Häusern leichter den Weg hierher gehen bzw. auch sogenannten Fernstehenden die Teilnahme erleichtert wird.
Die Teilnehmerzahl schwankt sehr stark: normalerweise zwischen 5 und 30 Personen. Als ich einmal äußerte, daß ich erst mit zehn Gästen zufrieden sei, entgegnete ein Gast, ob ich es nicht mit der Bibel halten wolle: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, ..." Recht hat er! Es gab aber auch schon Treffen mit ca. 100 teilnehmenden Personen - z.B. ein Abend über "Hildegard von Bingen". Immer wieder erfreut uns die geschwisterliche Gemeinschaft von Christinnen und Christen unterschiedlicher Herkunft, Konfessionen, Berufe und Altersgruppen, die mit gelegentlich erscheinenden Nichtchristinnen und Nichtchristen gut zurechtkommt. Im Laufe der Zeit fanden auch Einheimische und Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung von Bad Camberg den Weg zu den Montags-Treffs. Die meisten dieser Gäste sind inzwischen treue Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein paar arbeiten jetzt auch in unserem Team mit.
"Tankstelle für die Seele"
Nach der Begrüßung und einem kurzen Bibeltext - weil wir an allen 365 Tagen des Jahres unser Tun an der Bibel orientieren wollen - , manchmal auch nach einem Lied, stellen sich die teilnehmenden Personen vor. Dabei entstehen oft schon kurze interessante Gespräche. Dann folgt ein Kurzreferat, ein Lichtbildervortrag oder eine Bibelbetrachtung. Immer besteht ausreichend Zeit zur Aussprache - "Talk ohne Show" nannte jemand diese Gespräche. Informationen und Einladungen zu religiösen und anderen kulturellen oder sozialen Veranstaltungen schließen sich an. Den Abschluß bildet ein gemeinsam gebetetes Vaterunser. Von diesem "normalen" Ablauf gibt es aber immer wieder einmal themen- oder situationsbedingte Abweichungen. Oft schließen sich noch Einzelgespräche an, in denen die Gäste persönlichen Rat und Ermutigung erhalten.
Die Themenpalette ist sehr breit. Ein paar Beispiele: Gentechnik aus ethischer Sicht, Angst und Depressionen, Ehe und Familie, Freude und Leid, Glaube und Kirche, Jesus und der Lebensstil, Konziliarer Prozeß, Weltanschauungen, Meister/innen des geistlichen Lebens, Versöhnung, Engel, Feste und Bräuche, Symbole, Gewissen und Freiheit, andere Religionen, Wiedergeburt und Jenseits. Alles wird vom christlichen/biblischen Standpunkt aus behandelt. Aber auch rein biblische Themen, Bibelarbeiten, Bibelbetrachtungen (nach afrikanischem Vorbild), Dia-Betrachtungen und Autorenlesungen sind gefragt. Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen findet jährlich ein Gottesdienst in der "heiteren Atmosphäre des Gasthauses" statt. "Tankstelle für die Seele" - so bezeichnete eine Teilnehmerin die Montags-Treffs, bei denen sie "richtig auftanken" könne.
Bei der Einladung der "Tankwarte" ist für uns nicht die Konfession entscheidend, sondern die auf Christus bezogene Aussage und damit die Lebenshilfe aus der Bibel und dem christlichen Glauben. Mittlerweile haben sich mehr als 70 Referentinnen und Referenten in den Dienst dieser guten Sache gestellt, unter ihnen die Seelsorgerinnen und Seelsorger der evangelischen und der katholischen Ortsgemeinden, der für Bad Camberg zuständige evangelische Dekan und der Propst, katholische Professoren und Domkapitulare. Regelmäßig kommen Referenten vom Bischöflichen Ordinariat Limburg und von der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie die Ausbildungsreferentin des Limburger Priesterseminars, eine ehemalige Mitarbeiterin unseres Teams.
Ein paar Abende gestalteten wir mit den uns befreundeten Bischöfen Dr. Abraham Viruthakulangara aus Indien und Dom Martinho Lammers aus Brasilien. Zu den Referenten zählen weitere Pfarrer/innen, Ordensleute (auch ein koptisch-orthodoxer Erzabt), Klinikseelsorger, Psychotherapeuten, Prädikanten/innen, pastorale Mitarbeiter/innen und Laien verschiedener Konfessionen. In der Regel wählen die Referenten/innen selbst die Themen aus. Manchmal gehen sie auch auf besondere Wünsche von uns ein. Viele Referenten/innen empfehlen oder vermitteln uns auch andere Referenten/innen. Keine/r erhält von uns ein Honorar.
"In den besten Händen"
In der Kurklinik, in der Neurologischen und in der Orthopädischen Reha-Klinik, in den Kurheimen, im Kurhaus, im Kurmittelhaus, im Bahnhof und in Geschäftshäusern, an und in den Kirchen und am "Haus Pohl" hängen bzw. legen wir Plakate und/oder Handzettel aus, auf denen die Termine, die Themen und die Referenten/innen für jeweils einen Monat genannt sind. Farbige Handzettel werden der Kurzeitung beigelegt, so daß jede/r Kur- und Reha-Patient/in wenigstens einmal angesprochen wird. Die Handzettel enthalten auch die Einladung zu den evangelischen und katholischen Gottesdiensten und zu Einzelgesprächen mit den Seelsorgern. Auch durch Hinweise in den kirchlichen Mitteilungen, der örtlichen Presse und in Radio ffh wird auf die Treffen aufmerksam gemacht.
Im Laufe der mittlerweile zwölf Jahre sind viele persönliche Kontakte entstanden, die oft über die Dauer des Kuraufenthaltes hinausgehen. Die weitaus meisten Gäste loben den seelsorglichen Einsatz der action 365. Oft nehmen sie Anregungen mit in ihre Heimatgemeinden. Nachdem wir anfangs auch manche Enttäuschungen erlebt hatten, würdigten auch kirchliche und kommunale Stellen unseren Einsatz. Zum Beispiel trug unser "geradezu bewundernswertes Engagement in ... der Kurseelsorge" (Ordinariatsrat Professor Dr. Ernst Leuninger) wesentlich dazu bei, daß Bischof Dr. Franz Kamphaus mir - stellvertretend für das Team - die Georgsplakette des Bistums Limburg überreichte. Und der Kurdirektor schrieb uns: "Ich möchte ... Dankeschön sagen für die ... Arbeit der Ökumenischen Montags-Treffs. Das Gebiet der Kurseelsorge ist in Bad Camberg in den besten Händen. Bei anderen Kurorten oder Heilbädern liegt noch vieles im Argen!" Vielleicht ein Ansporn, sich dort entsprechend zu engagieren.
Werner Ott, action 365, Team Bad Camberg
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